1127. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser unseres Sonntagsimpulses

, das Attentat von Hanau hat uns in der vergangenen Woche wohl alle tief getroffen. Die unfassbare Tat wirft unweigerlich die Frage nach dem "Warum?" auf.

Warum Überhaupt?

Warum jetzt?

Warum dort?

Warum eben jene Menschen?

Fragen, auf die es keine Antwort geben wird, da der TĂ€ter selbst nicht mehr befragt werden kann und alles andere Spekulation bleiben wird.

Die Tat schreit aber auch nach einer Reaktion der Gesellschaft. Diese ist ja auch passiert. zahlreiche Politiker, Kirchenvertreter und andere Menschen haben MitgefĂŒhl und UnverstĂ€ndnis ausgedrĂŒckt. Die auf Halbmast wehenden Flaggen sind ein deutliches Zeichen. Ebenso die vielen Kerzen und Blumen an den Anschlagsorten und nicht zuletzt viele verĂ€nderte Facebook-Profile, die mit einem deutlichen Satz versehen wurden.

Jesus sagt uns im heutigen Evangelium: "Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlÀgt, dann halt ihm auch die andere hin." (Mt 5, 39)

Dieser Satz muss fĂŒr die unmittelbar Betroffenen wie Hohn und Spott klingen. Und auch meine Ohren tun sich mit diesem Satz aktuell schwer. Der, der uns Böses antut bzw. antun will, dem soll ich keinen Widerstand leisten, sondern ihn gewĂ€hren lassen?

Das kann und will ich nicht einfach so. Vielleicht mag dieser Satz zur Zeit Jesu leichter akzeptabel gewesen sein, wo man in einer grĂ¶ĂŸeren Auferstehungshoffnung lebte, als es heute der Fall ist. Als man den Tod um des Glaubens willen deutlich leichter angenommen und fĂŒr erstrebenswert gehalten hat, als es heute der Fall bei uns Christen ist.

Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Diesen Satz muss man vielleicht einfach als "unverdaulich" stehen lassen. An ihm kann und wird man sich immer und immer wieder reiben. Er ist und bleibt sperrig.

In der Gesamtheit der Bergpredigt, aus der auch das heutige Evangelium stammt, wird aber vielleicht deutlich, wie es gemeint ist:

Jesus stellt seine Weisheit, seine Sicht dem bisherigen Gesetz gegenĂŒber und zeigt in großer Klarheit und Deutlichkeit, was Gott mit den Gesetzen wirklich will. Es geht nicht ums das "in Frage stellen" der Gesetze. Es geht um die Ausdeutung - die Verfahrensanweisung wĂŒrden wir heute sagen. Mit Blick auf den in dieser Woche liegenden Aschermittwoch kommt mir der Gedanke in den Sinn, dass eine Facette der Fastenzeit die Frage ist, "Was will Gott in meinem Leben eigentlich bewirken?

Wo will ich ihn reinlassen und Teilhaben lassen?" Der sperrige Satz heute ist daher vielleicht so eine Art TĂŒröffner fĂŒr Jesus: Blinde Rache und Vergeltung ist kein Weg, der zu dauerhaft gutem Miteinander fĂŒhrt.

Dieser Weg fĂŒhrt in die Sackgasse. Jesu Botschaft anders zu handeln eröffnet neue Perspektiven und Denkweisen. Diese sollten wir mal öfters bedenken.

 

sonntĂ€gliche GrĂŒĂŸe

Rainer Gelhot

www.sonntagsimpulse.de

Das Evangelium von heute (Mt 5, 17-37):

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge fĂŒr Auge und Zahn fĂŒr Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlĂ€gt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen NĂ€chsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet fĂŒr die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lĂ€sst seine Sonne aufgehen ĂŒber Bösen und Guten, und er lĂ€sst regnen ĂŒber Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nĂ€mlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafĂŒr erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure BrĂŒder grĂŒĂŸt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.