1049. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser,

das Thema „Macht in der Kirche“ wird in diesen Tagen und Wochen wieder deutlich sichtbar. Rom übt Macht in Bezug auf den Rektor der Jesuiten-Hochschule in Frankfurt-St. Georgen, Ansgar Wucherpfennig, aus.

Macht haben auch die Täter der schrecklichen Missbrauchsfälle ausgenutzt, die im Rahmen der Ende September veröffentlichen Studie an die Öffentlichkeit kamen.

Macht nutzen Mitarbeitende der Kirchen aller Berufsgruppen immer wieder und immer noch aus, wenn sie ihr eigenes Wohl vor das Wohl der ihnen anvertrauten Menschen stellen. Wenn Wachstum und Stärkung des Glaubens verhindert wird, um scheinbar „alte Zöpfe“ zu behalten.

Macht nutzen aber auch viele freiwillig Tätige aus, wenn es um die Stärkung der eigenen Position und nicht um die sprichwörtliche „Sache Jesu“ geht.

Machtmissbrauch ist vielfältig und tritt nicht nur in der Kirche und ihren Organisationen auf. Und es ist kein Phänomen unserer Zeit. Bereits im heutigen Evangelium geht es im Grunde um Macht und den anfragbaren Gebrauch selbiger.

Das heutige Evangelium macht das sehr deutlich: Zwei Jünger wollen sich in den Vordergrund drängen, wollen Macht haben, wollen durch ihre Plätze herausstechen aus der Masse der anderen Jünger. Besser sein, wichtiger sein!

Dem schiebt Jesus einen Riegel vor. Er gibt klar und deutlich zur Antwort, dass nicht er die Plätze vergibt, sondern dass alle Menschen wichtig sind und „Macht“ in seinem Weltbild keine Rolle spielt. Höchstens eine deutlich andere, als wir es nach menschlichem Ermessen einzuschätzen vermögen. Für ihn kommt „Macht“ von „machen“. Nicht von „mögen“.

Mich reizt das. Denn der heutige Text fordert mich auf zu überdenken, wo ich bewusst oder unbewusst meine Macht ausspiele, einsetze oder missbrauche. Denn seien wir doch ehrlich: Wer hat z.B. beim Autofahren seine „Vorfahrts-Macht“ nicht schon mal missbraucht, um andere zu schneiden, warten zu lassen oder so.
Oder wer hat seine Macht in beruflichen Kontexten nicht schon mal genutzt, um anderen zumindest nicht zu nĂĽtzen..... Machtmissbrach hat viele Gesichter....

Heute heißt der Auftrag klar und deutlich: Hört auf damit! Setzt euch für die Menschen ein und nicht nur für euch!

In diesem Sinne einen gesegneten Sonntag

Rainer Gelhot
Redaktion
SonntagsImpulse.de


Das Evangelium von heute: Markus 10,35-45 (Diesmal in leichter Sprache, dann wird das Thema noch deutlicher...)


Jesus hatte 12 beste Freunde. Die 12 besten Freunde dachten, dass Jesus einmal König wird. Die 12 besten Freunde wollten die Minister vom König werden. Einer von den besten Freunden war Jakobus. Und einer war Johannes. Johannes und Jakobus wollten die wichtigsten Minister von Jesus werden.
Jakobus und Johannes sagten zu Jesus:
Jesus. Du sollst König werden. Und wir beide wollen deine wichtigsten Minister werden. Einer soll auf der rechten Seite von deinem Thron sitzen. Und einer soll auf der linken Seite von deinem Thron sitzen.
Jesus sagte zu Jakobus und Johannes:
Ihr habt keine Ahnung, was mit mir passiert. Wollt ihr auch bei mir bleiben, wenn schlimme Sachen passieren?
Jakobus und Johannes sagten zu Jesus:
Wir wollen immer bei dir bleiben.
Jesus sagte zu Jakobus und Johannes:
Das stimmt. Ihr bleibt immer bei mir. Auch wenn schlimme Sachen passieren. Trotzdem kann ich nicht die wichtigsten Minister bestimmen. Bei Gott im Himmel sind alle Menschen wichtig.
Die anderen Freunde hörten, dass Jakobus und Johannes die wichtigsten Minister werden wollten. Die anderen Freunde wollten selber auch die wichtigsten Minister werden. Darum waren die anderen Freunde sauer auf Jakobus und Johannes. Die Freunde begannen zu streiten. Jesus musste dazwischen gehen. Jesus sagte zu den Freunden: Könige und Präsidenten sind mächtige Herrscher in der Welt. Die Herrscher können bei den Menschen alles bestimmen. Und Kriege machen. Und den Leuten viel Geld abnehmen.
Bei mir ist das anders. Ich will kein Herrscher sein. Ich will den Menschen helfen. Damit es den Menschen gut geht. Und damit die Menschen wissen, wie gut Gott ist.
Wenn ihr Minister sein wollt, mĂĽsst ihr Diener fĂĽr die Menschen sein. Ihr mĂĽsst den Menschen helfen. Und fĂĽr die Menschen da sein. Dann seid ihr die wichtigsten Minister. Wer Diener fĂĽr die Menschen ist, der ist ganz nahe bei Gott.