1149. Sonntagsimpuls

Jesus,

ich bin doch etwas erstaunt. Im heutigen Abschnitt des Matthäusevangeliums sagst du den Zwölf, und ich denke mal damit auch uns heute, dass sie deiner nur wert sind, wenn sie dich mehr lieben als ihre Lieben. Wiederspricht das nicht dem Gebot, dass wir unsere Eltern ehren sollen? Was heißt hier überhaupt „mehr lieben“? Liebe lässt sich doch nicht gewichten, zumindest sollte es meiner Meinung nach so nicht sein. Wenn ich an meine beiden Kinder denke, liebe ich beide, vielleicht nicht gleich, weil sie nicht gleich sind, aber jedenfalls nicht das eine mehr als das andere. Liebe ich dich mehr als meine Kinder? Also, einfach bejahen kann und will ich das nicht. Bin ich also deiner nicht wert?

Und mein Kreuz soll ich auch noch auf mich nehmen, um deiner wert zu sein. Mit welchem Maß misst du eigentlich? Ich dachte immer, dass wir keine Leistungen erbringen müssen, um vor dir, vor Gott bestehen zu können. Ist nicht das ein zentraler Punkt deiner Verkündigung, dass wir einfach so als wir selbst von Gott angenommen sind?

Vom Kreuz redest du allerdings auch an anderen Stellen. Das Leben ist kein Ponyhof und auch kein Wunschkonzert, sagen wir manchmal. Wenn ich das Leben mit dir ernstnehme, dann wohl auch nicht. Deine Botschaft passt nicht jedermensch in den Kram, die eckt an. Beispielsweise dass die sog. Außenseiter*innen nicht außen vor sein, dass die Kleinen und Schwachen in der Gesellschaft Vorrang haben sollen und nicht das Recht der Stärkeren das A und O ist, findet nicht jede*r toll. Das Einstehen dafür kann für einen selbst durchaus unbequem werden. Und das sogar in der eigenen Familie. Wenn eine*r meiner Lieben also zum Beispiel über homosexuelle Menschen oder Menschen einer anderen Kultur oder Religion herziehen würde, dann darf ich nicht einfach den Mund halten, wenn du mir wichtig bist. Das kann ich akzeptieren. Und das gilt für mich natürlich auch im Gespräch mit Personen außerhalb meiner Familie.

Zum Glück lebe ich (aktuell) in einer Zeit und einem Staat, in der/dem das mit dem „sein Kreuz auf sich nehmen“ mich nicht in Lebensgefahr bringen dürfte. Dafür bin ich dankbar. Immer, wenn es hart auf hart kommt, schenke du mir Gleichgesinnte und die Stärke, für deine Botschaft gerade zu stehen. Denn darin steckt mehr Leben für alle, glaube ich.

Mit hoffnungsvollen Grüßen

Inga Schmitt
Redaktion
SonntagsImpulse.de

Das Evangelium von heute (Mt 10,37-42)

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

(Quelle: www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/index.html)

Das Evangelium in Leichter Sprache ist hier zu finden: https://www.evangelium-in-leichter-sprache.de/lesejahr-a-13-sonntag-im-jahreskreis