1161. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser!

Jesus liebt die Provokation. Dieses Gleichnis von den Arbeitern in Weinberg fordert doch einen normal tickenden Zeitgenossen zum Widerspruch heraus. Wie kann der Gutsbesitzer allen Arbeitern gleichen Lohn für ungleich geleistete Arbeit geben? Da würde doch heute jede Gewerkschaft auf die Straße gehen. Es ist doch nicht gerecht, wenn der, der den ganzen Tag geschuftet hat, den gleichen Lohn erhält, wie derjenige, der zur letzten Stunde ans Arbeiten gekommen ist!

Und dann mündet das Gleichnis noch in die Schlussaussage: „So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.“ Das sagen sie mal Menschen, die vor einer Supermarktkasse in einer Schlange stehen.

Ja, Jesus will hier bewusst provozieren. Seine ganze Botschaft ist eine Provokation. Auch die sogenannte Bergpredigt (Stichwort „Feindesliebe“) ist eine Provokation. Diese hatte den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal zu der Aussage provoziert, dass man mit der Bergpredigt keine Politik machen könne.

Sind es also alles nur friedens-ethische und nächstenliebende Träumereien, von denen Jesus uns erzählt?

Eine wesentliche Frage des Gutsbesitzers an den Freund, der sich untervorteilt sieht ist folgende: „Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“.

Jesu sagt uns durch den Gutsbesitzer: Schau genau hin! Bist du wirklich ungerecht behandelt worden? Wir haben doch einen Denár vereinbart. Du hast das bekommen, was dir zusteht und was du brauchst. Schau nicht nur auf dich. Schau auch auf die anderen. Was brauchen sie zum Leben?

Dieser jüdisch-christliche Gott ist immer für Überraschungen gut. Bei ihm kommt keiner zu kurz. Gott hat immer alle im Blick. Er gibt jedem, was er braucht. Nicht, was er nach unserem menschlichen Ermessen verdient, sondern, was er an Gottes Liebe ganz persönlich für sein Heil benötigt.

Wir dürfen gespannt sein, was im Himmel auf uns wartet. Vielleicht ja auch eine Provokation? Und dann?

Haben Sie einen gesegneten Sonntag!

Hermann Steinkamp
Redaktion SonntagsImpulse.de

 

 

 

 

Das Evangelium von heute (Mt 20, 1-16)

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seine Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denár für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.

Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen.

Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso.

Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was seht ihr hier den ganzen Tag untätig? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!

Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten!

Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denár. Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denár.

Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn und sagen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen.

Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denár mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben, wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?

So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.