1217. Sonntagsimpuls

Liebe Leser*innen

 

es wird uns leicht gemacht anzunehmen in einer Welt zu leben, die das Reich G*ttes hinter sich gelassen hat. Noch hoffnungsvoller Umbruch wird scheinbar nach und nach zum provozierten Zerbruch.

Immer noch aktuell ist und bleibt die Frage aus der heutigen Lesung aus dem Jakobusbrief: „Woher kommen Kriege bei euch, woher Streitigkeiten?“ (Jak 4,1)

Der Jakobusbrief findet recht deutliche Worte für die Ursachen von Ungerechtigkeit und Unfriede. Es seien unser Egoismus, unsere Geltungssucht und Eifersucht, die uns unehrlich und grenzüberschreitend werden lassen. Was wir damit erreichen können? Wenig. Zumindest wenn es darum geht, was bei G*tt zählt.

Nur, was bleibt uns in einer ungerechten Welt? Klagen, Widerstand, Resignation?

Mir reicht es schon lange nicht mehr, nur auf das zu schauen, was schief läuft. Ja, es ärgert mich wenn Politiker*innen vergessen, dass sie nicht für sich kämpfen sollten, sondern für eine gerechte Gesellschaft. Genauso ärgert es mich, dass einige Christ*innen davon überzeugt scheinen, allein durch Gebet und die Hoffnung auf Jesu Wiederkunft, die Welt zu einem besseren Ort machen zu können.

Beides wird uns nicht weiterbringen. Ob eine selbstbezogene Mystik des verschlossenen Herzens, oder eine g*ttsuchende Mystik der verschlossenen Augen – beide Formen sind letztlich eskapistisch und verschließen sich mutiger Hoffnung.

Wenn ich auch nur einen Bruchteil des Evangeliums mit Kopf und Herz verstanden habe, dann beinhaltet dieser auch dieses: Flucht und Verschluss sind keine Optionen bei G*tt.

G*ttes Weisheit „ist erstens heilig, sodann friedfertig, freundlich, gehorsam, reich an Erbarmen und guten Früchten, sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht.“ (Jak 3,17)

Wie aber können wir aus G*ttes Weisheit Leben und nach ihr urteilen und handeln?

Einen Ansatz finde ich bei der Mystikerin Mechthild von Hackeborn. Hier begegnet mir eine Mystik, eine Art des Betens das mich tiefgreifend verändert. Befreiung und Heilung kommen mir zu durch meine Hingabe in der  Annahme der „Sinne G*ttes“. Dies führt zu einer „Mystik der offenen Augen“, die das Gegenteil zu jeglicher Weltflucht beschreibt.

Eine Begegnung der Welt durch die Sinne G*ttes, schenkt eine Offenheit und Hellhörigkeit des Herzens, die zugleich aushält und verändert. Beten und Handeln, Rufen und Gerufen-Sein werden eins durch G*ttes Geschenk ihrer Sinne an uns.

„Sieh, was Gott sieht. Hör, was Gott hört. Lache, wo Gott lacht. Weine, wo Gott weint.“ (Dorothee Sölle, Mystik und Widerstand, 365)

Wagen Sie es?

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche!

 

Barbara Nick

Redaktion

SonntagsImpulse.de

 

Die zweite Lesung von heute (Jak 3,16-4,3)

Lesung aus dem Jakobusbrief.

Schwestern und Brüder! [3,13 Wer von euch ist weise und verständig? Er soll in weiser Bescheidenheit die Taten eines rechtschaffenen Lebens vorweisen. 14 Wenn ihr aber bittere Eifersucht und Streitsucht in eurem Herzen tragt, dann prahlt nicht und verfälscht nicht die Wahrheit! 15 Das ist nicht die Weisheit, die von oben kommt, sondern eine irdische, weltliche, teuflische Weisheit.] 3,16 Wo Eifersucht und Streit herrschen, da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art. 17 Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, sodann friedfertig, freundlich, gehorsam, reich an Erbarmen und guten Früchten, sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht. 18 Die Frucht der Gerechtigkeit wird in Frieden für die gesät, die Frieden schaffen. 4,1 Woher kommen Kriege bei euch, woher Streitigkeiten? Etwa nicht von den Leidenschaften, die in euren Gliedern streiten? 2 Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt dennoch nichts erreichen. Ihr streitet und führt Krieg. Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet. 3 Ihr bittet und empfangt doch nichts, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in euren Leidenschaften zu verschwenden.