1222. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser des Sonntagsimpulses,

„Was willst du, dass ich dir tue?“

Was für eine Frage? Ist es nicht offensichtlich, was ein Blinder von Jesus wollen könnte? Die Heilung natürlich! Im Evangelium dieses Sonntags ist es auch so: Bartimäus möchte sehen können.

Dennoch: So eindeutig ist die Antwort nicht. Ein Freund und Kollege von mir sitzt als Spastiker im Rollstuhl. Ihn habe ich gefragt: „Wenn Jesus vor dir stünde und dich fragen würde: ‚Was willst du, dass ich dir tue?‘, was würdest du ihm antworten?“ Ich war mir eigentlich sicher, dass er sich die Heilung seiner Spastik wünschen würde. Tja, es stellte sich heraus, dass er einen anderen gewichtigen Herzenswunsch hat: Er würde lieber als Spastiker die Priesterweihe empfangen können.

Die Frage Jesu erinnert mich aufs Neue daran:

Auch ich tue gut daran, nicht ungefragt etwas für andere zu tun, weil ich meine bereits zu wissen, was gut für sie ist. Ebenso tue ich gut daran, meine Wünsche ins Wort zu bringen, anstatt davon auszugehen, dass andere bereits wissen, was sie für mich tun könnten oder was ich bräuchte. Keine wirklich neue Erkenntnis: miteinander zu reden hilft meist mehr als sprichwörtlich Wünsche von den Augen abzulesen – nicht nur in Paarbeziehungen. Und das kann durchaus heilsam sein.

 

Gesegnete Herbsttage

Inga Schmitt

SonntagsImpulse.de

 

Das Evangelium von heute (Mk 10, 46b–52)

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.

In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jéricho verließ, saß am Weg ein blinder Bettler, Bartimäus, der  Sohn des Timäus.Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele befahlen ihm zu schweigen.
Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her!
Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.

Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu.
Und Jesus fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tue?
Der Blinde antwortete: Rabbúni, ich möchte sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dich gerettet. Im gleichen Augenblick konnte er sehen und er folgte Jesus auf seinem Weg nach.