1165. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser,

neulich fiel mir beim Aufräumen ein Buch wieder in die Hände. Es trägt den Titel „Halt´s Maul. Jetzt kommt der Segen“.

In dem Buch geht es um Jugendliche aus bestimmen Lebensbereichen und die Erfahrungen mit ihnen im Rahmen von Religionsunterricht.

Mich macht der Titel nachdenklich. Nicht aufgrund der derben Sprache. Sondern vielmehr die Tatsache, dass man „das Maul halten“ muss, wenn der Segen Gottes kommt. Ist Gottes Segen also sowas anderes als das normale Leben? Müssen wir als Kirche immer wieder selbst Göttliches und Weltliches trennen, wo wir doch eigentlich immer wieder betonen, dass beides zusammen gehört, weil Gott doch in allem ist und wir nur lernen müssen ihn zu darin zu sehen, wie es die Jesuiten sagen? Brauchen wir immer wieder die „Jesuskurve“, um nach einigen Sätzen, Minuten oder Bildern dann auf Jesus zu kommen?

Ja, ich glaube, dass wir sie brauchen. Denn Jesus selbst braucht sie ja auch. Nur nennt er das dann Gleichnis. Nach einem Bild kommt irgendwann die Kurve hin zu „So ist Gott! So ist das Himmelreich! So lebt man als Christ....“

Jesus selbst verwendet in seinen Reden viele Bilder, die den Menschen seiner Zeit seine komplizierte Lehre deutlich machen sollen. Die Menschenfischer (Mt 4) sind so ein Bild. Oder der gute Hirte (Joh 10). Warum also nicht heute in aktuellen Bildern reden und dann den Menschen in der „Jesuskurve“ zeigen, wo darin „ der dreieinige Gott“ vorkommt.

Und manchmal stellt man in der Jesus- oder Gotteskurve dann auch fest: Da kommt er eben nicht vor. Das ist schlicht und einfach rein weltlich. Oder wie Jesus es sagt: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

Für die Kirche und uns Kirchenmenschen heißt das eben manchmal dann auch: Es geht nicht Gott in allem zu finden. Es geht nur alles mit dem Wissen um Gottes Liebe zu uns Menschen zu sehen. Ich finde das ist ein kleiner aber wesentlicher Unterschied.

Wenn der Kaiser eben Steuern will soll er sie bekommen. Aber als Christen muss man eben auch wissen, dass Gott mehr und anderes will, als schnöde Taler.

Einen tollen Sonntag wünscht

Rainer Gelhot
Redaktion Sonntagsimpulse.de

 

 

Das heutige Evangelium (mt 22,15-21):

In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen.
Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Was meinst du?
Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?
Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich?
Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denár hin.
Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers.
Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!