1210. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser des Sonntagsimpulses,

im Esszimmer meiner Eltern hängt seit dem Tod des Bruders meiner Oma ein Gemälde, dass er von seinem ersten Gehalt gekauft hat. Rein künstlerisch ist es sicherlich nicht besonders wertvoll. Aber es zeigt Getreide auf dem Feld und hochgebundene Ähren. Nicht verwunderlich – war er doch mit Leib und Seele Bäcker. Wenn er über sein Handwerk sprach und dies auch Kindern nahe brachte, dann spürte jeder, wie sehr er dafür lebte. Für ihn hatte das Brot immer eine besondere Bedeutung – selten in einer Zeit, in der es Brot nahezu immer und überall zu kaufen gibt.

Für die Menschen damals hatte das Brot ebenfalls eine besondere Bedeutung, nichts zuletzt aufgrund der vorangegangen Bibelstelle der wundersamen Brotvermehrung. Unzählige Menschen wurden durch diese Brote gesättigt. Denken wir auch an den Weg durch die Wüste und das Manna, das vom Himmel kam. Niemand wusste, wann es etwas zu essen gab – aber die Erfahrung, dass Gott im rechten Moment da ist – ein einprägsamer Moment für immer. „Du gibst uns Speise zur rechten Zeit.“ – so beschreibt es Psalm 145,15. Dieses Brot war ein Geschenk Gottes und das Teilen dessen hat die Menschen verbunden und zu einer hoffenden, dankbaren Gemeinschaft gemacht. Es geht eben nicht nur um das irdische „satt werden“, sondern auch darum, Jesus selbst dieses Brot des Lebens und damit der Kern unserer Botschaft ist.

Für mich ist dieses Bild im Esszimmer immer wieder eine Erinnerung daran, manches nicht als selbstverständlich anzusehen aber auch darauf zu vertrauen, dass da jemand ist, der zur rechten Zeit bei uns ist.

Viele Grüße,

Julia Kühling

Das Evangelium für den Tag: Joh 6, 24–35

In jener Zeit, als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger am Ufer des Sees von Galiläa waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafárnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierhergekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird! Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Sie sagten zu ihm: Welches Zeichen tust du denn, damit wir es sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.