1181. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Mich fordern die heutigen Texte wirklich heraus. Sie handeln von der bedingungslosen Nachfolge Jesu. Menschen haben sich ohne wenn und aber zu Jesus Jüngerinnen und Jüngern berufen lassen. Sie gelten uns als Vorbilder.

„Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“, ruft Jesus Simon und Andreas zu. In mir springt das Kopfkino an: Simon, der Menschen hinterherrennt, um ihnen ein Fischernetz überzuwerfen und sie gemeinsam mit Andreas zu entführen und von Jesus zu überzeugen. Das Bild hinkt für mich. Fische werden gefangen, um sie zu töten und zu verzehren, von Freiwilligkeit kann da keine Rede sein. Gutes wollen die Fischer für die Fische auch eher nicht.

Wir alle wissen, wie viel Leid Zwangsmissionierung oder geistlicher Missbrauch in die Welt gebracht haben. Die Bilder, die in mir aufgehen sind eben nicht unrealistisch. All das gab und gibt es. So kann Nachfolge Jesu aber in keinem Fall gemeint sein. Das christliche Menschenbild baut auf der Freiheit und der Würde des Menschen auf.

Simon und Andreas werden in dem Text als Fischer vorgestellt, das ist ihre Existenz. Jesus beruft sie in seine Nachfolge um Menschenfischer zu werden. Er setzt bei dem Leben, den Talenten und Gaben an. Er ruft sie mit allem, was sie sind, ihm zu folgen. Sie sollen ihre Existenz für das angebrochene Reich Gottes einsetzen. Mit ihren Talenten und Fähigkeiten werden sie Gott verkünden. Sie werden Fischer für Menschen. Mit diesem Ansatz kann ich mich mit dem Bild des Menschenfischers versöhnen.

Gleichzeitig stellt sie mich vor die Frage, welche Talente und Fähigkeiten ich in die Verkündigung einbringen kann?

Einen schönen Sonntag wünscht,

 

Yannik Marchand

Redaktion

SonntagsImpulse.de

Das Evangelium von heute (Mk 1,14-20)

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus

Nachdem Johannes der Täufer ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihre Netze auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen:

Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. Als er ein Stück weiterging,

sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sogleich rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.