1133. Sonntagsimpuls

Liebe Leserinnen und Leser!

Erschreckend die Bilder, die wir in diesen Tagen via Fernsehen und Internet aus den Krankenhäusern in Italien, Spanien oder Frankreich erhalten. Patient*innen, die mit ihrem Leben ringen. Unter klinischen Beatmungsmasken und auf abgeschotteten Zimmern, isoliert von ihren Familien, von ihren Liebsten. Pfleger*innen und Ärzt*innen, die um diese Leben bis zur Selbsthingabe kämpfen. Die sich aufbäumen gegen diese unsichtbare Virus-Gefahr, vielfach völlig erschöpft und ohnmächtig. Die mittlerweile vor der unmenschlichen Frage stehen, wem helfen wir noch mit den zu Verfügung stehenden technischen Geräten und wem können wir nicht mehr helfen.

Angesichts dieser Bilder fällt es mir schwer, den Satz „Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes.“ zu hören. Er wirkt auf einmal so lebensfern und überheblich. Ich weiß, dass er für ein theologisches Programm bei Johannes steht. Jesus ist der Gottessohn. Dies zeigt sich auch in der Wundererzählung von der Auferweckung des Lazarus. Jesus ist „die Auferstehung und das Leben“. Und doch braucht es mehr als diese theologische Rede. Wir spüren eine innerliche Zurückhaltung, jetzt dieser und auch anderen Krankheiten einen Sinn zuzusprechen. Das ist gut so. Denn Gott braucht keine Krankheit zu seiner Verherrlichung.

„Ecce homo!“ – „Seht, der Mensch!“ (Joh 19,5). Das ist, was Gott von uns braucht. Den Blick füreinander, der uns nicht unberührt lässt. Der an unsere Menschlichkeit appelliert und Solidarität einfordert. Johannes zeigt uns nicht nur einen theologisch entrückten Jesus, sondern auch einen zutiefst menschlichen, der sich in seiner Trauer und mit seinen Tränen solidarisch zeigt mit Marta und Maria und all den anderen um Lazarus Trauernden: „Jesus war im Innersten erregt und erschüttert.(…)Da weinte Jesus.“ Vielen Familienangehörigen, Pfleger*innen und Ärzt*innen geht es ähnlich. Trost spenden, füreinander da sein und menschlich miteinander unter den Einschränkungen der körperlichen Distanz verbunden bleiben in Gedanken und im Gebet, das „dient der Verherrlichung Gottes“ und hilft uns in dieser Ausnahme-Zeit.

Menschlich ist Gott mitten unter uns. „Du bist nicht fern, denn die zu dir beten, wissen, dass du uns nicht verlässt. Du bist so menschlich in unsrer Mitte, dass du wohl dieses Lied verstehst.“ (Gotteslob Nr. 414,2)

Einen gesegneten 5. Fastensonntag und bleiben Sie behĂĽtet!

Hermann Steinkamp

Das Evangelium von heute (Kurzfassung Joh 11, 3-7.17.20-27.33b-45)

In jener Zeit sandten die Schwestern des Lázarus Jesus die Nachricht: Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank. Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Jesus liebte aber Marta, ihre Schwestern und Lázarus. Als er hörte, dass Lázarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.

Als Jesus ankam, fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus sitzen.

Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. Jesus war im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus.

Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.

Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da nahmen sie den Stein weg.

Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.